Biodiversität im Wein- und Obstbau

Mit einer bestockten Rebfläche von ca. 64.000 Hektar prägt der Weinbau weite Teile der rheinland-pfälzischen Kulturlandschaften. Mit den sechs Anbaugebieten Ahr, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Pfalz und Rheinhessen umfasst das Land Rheinland-Pfalz 65 Prozent der gesamten deutschen Rebfläche. Neben den Rebzeilen bilden vor allem Strukturelemente wie Trockenmauern, Felsformationen, Brachflächen, Hecken- und Strauchstrukturen wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen, darunter auch viele geschützte Arten. Weiterhin kann durch den Einsatz von Begrünungen, Blühsaaten und Leguminosen der Erhaltungszustand einzelner Lebensraumtypen gesichert oder verbessert werden. Zu weiteren Maßnahmen zählen bspw. die Errichtung von Schutz-, Brut-, Rückzugsflächen (Vögel, Fledermäuse, Insekten, Käferarten etc.) sowie Trockenmauern.

Auch der Obstanbau hat wie jede Art der Landnutzung einen erheblichen Einfluss auf die biologische Vielfalt. Habitatstruktur, Nahrungsangebot sowie Art und Intensität der Bewirtschaftung können dabei sowohl hemmende als auch fördernde Faktoren darstellen.
In den letzten 20 Jahren reduzierten sich sowohl die Anzahl der Obstanbaubetriebe, als auch die Obstanbaufläche in Rheinland-Pfalz. Dabei ist besonders die traditionelle Form des Obstbaus, die Streuobstwiese, besonders gefährdet, wobei sie mit mit über 5.000 Tier- und Pflanzenarten zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa zählt.

Dies verdeutlicht, dass vor allem neben einer standortangepassten Maßnahmenumsetzung die Beachtung der Wechselwirkungen zwischen den Schutzgütern (Boden und Wasser, Tiere und Pflanzen) von großer Bedeutung ist. Besonders in der heterogenen Branche des Weinbaus gestaltet sich die Bewertung des Biodiversitätsaspektes aufgrund der betriebsspezifischen Bedingungen (Klima, Boden etc.) als sehr schwierig.

Ziel der Forschungsprojektes war es, gemeinsam mit Wein- und Obstbaubetrieben, Vertretern der Fachberatung und Wissenschaft auf das Agrarökosystem des Weinbaus anwendbare Biodiversitätsindikatoren zu erarbeiten. Weiterhin wurden typische Pflanzen- und Tiergesellschaften und Lebensraumtypen auf den rheinland-pfälzischen Reb- und Obstbauflächen analysiert. Dies erfolgte anhand vorliegender Bestandskartierungen, Dateninformationssysteme und zusätzlichen Betriebsanalysen. Die durch das HHI daraus ermittelten Indikatorarten wurden weiterhin auf ihre klimatischen und bodenkundlichen Ansprüche und Vorlieben geprüft und mit Fotos und Steckbriefen auf dieser Plattform verankert.

Die Biodiversitätsplattform bietet Betrieben die Möglichkeit:

  • sich über Besonderheiten, Vorlieben und Lebensräume von Indikatorarten (Flora/Fauna) rheinland-pfälzischer Weinberge zu informieren.
  • eine selbstständige Kartierung ihrer Bestände vorzunehmen und damit ein langfristiges Biodiversitätsmonitoring für ihren Betrieb zu realisieren.
  • sich über biodiversitätsfördernde Maßnahmen zu informieren und durch deren gezielte Umsetzung einen Beitrag zur Erhaltung und Förderung der Artenvielfalt zu leisten.
  • auf Basis der erhobenen Daten, bereits umgesetzte Maßnahmen zu evaluieren und weitere zukunftsorientierte Maßnahmen nachhaltig zu planen.